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Sagen, fragen, antworten – Sprechverben in Inquit-Formeln

Aktualisiert: 27. Jan.

In den meisten Romanen wird viel gesagt. Dementsprechend wird das Verb „sagen“ sehr häufig verwendet. Aber man soll Wiederholungen doch verhindern, denke sich viele Autor*innen, und suchen händeringend nach Synonymen. Dabei entstehen leider viel zu häufig hässliche Stilblüten. Was ist also guter Stil in Inquit-Formeln? Hier findet ihr es raus.



Was ist eine Inquit-Formel


„Inquit“ ist Latein und bedeutet „er sagt“ oder „er sagte“ – und genau das ist die Inquit-Formel. Sie zeigt in einem Dialog an, wer gerade spricht. Im Folgenden habe ich sie unterstrichen.


„Guten Morgen“, sagte Bernd.


„Geht es dir gut?“, fragte Johanna.


„Ja, danke“, antwortete Bernd.


Natürlich können die Inquit-Formeln auch vor dem Gesprochenen stehen, aber diese Form ist die gängigste. Sie sind ein wichtiges Instrument, denn sie helfen uns dabei, die Sprecher*innen zu sortieren und uns im Dialog zu orientieren. Vor allem in Konversationen mit mehr als zwei Figuren kommen viele Inquit-Formeln vor, und sie können mitunter sperrig und – ja – wiederholend wirken, wenn immer wieder dieselben Verben benutzt werden.



Sagen, fragen und andere Sprechverben


Sagen, fragen, antworten – das sind die Verben, die am häufigsten in Inquit-Formeln verwendet werden. Und – so viel nehme ich gerne vorweg – sie sind völlig in Ordnung. Dennoch wünschen sich Autor*innen manchmal etwas Abwechslung. Wichtig ist, dass ihr ausschließlich Sprechverben benutzt, also solche, die wirklich einen Sprechakt ausdrücken. Dazu gehören unter anderem:

  • erwidern

  • flüstern

  • murmeln

  • schreien

  • brüllen

  • behaupten

  • erklären

  • einwerfen

  • folgern

  • nachhaken


Wichtig ist natürlich, dass das Verb zum Sprechakt und zum Gesagten passt. Auf Teufel komm raus Synonyme zu verwenden, wirkt gewollt und unnatürlich. Seid also sparsam.


Stellt euch die wörtliche Rede als Objekt des Satzes vor und wählt das Verb aus, das am besten beschreibt, was damit gemacht wird.



No-Gos in der Inquit-Formel


Was ich leider sehr häufig sehe, sind Verben in Inquit-Formeln, die überhaupt keine Sprechverben sind. Da stehen dann Dinge wie:


„Ich komme gleich“, hustete er.


Oder:


„Das ist lustig“, lachte sie.


Habt ihr schon mal einen ganzen Satz gehustet? Oder gelacht? Wenn man es genau nimmt, schließen husten und sprechen sich gegenseitig aus. Er könnte also höchstens husten, dann etwas sagen, und dann wieder husten. Ähnlich ist es beim Lachen. Achtet also bei euren Synonymen darauf, dass sie wirklich den Sprechakt ausdrücken.


Noch schlimmer ist es, wenn die Verben gar nichts mehr mit dem Gesprochenen zu tun haben.


„Ich weiß auch nicht“, rührte er in seinem Kaffee.


Oder:


„Mir reicht’s“, schlug er die Tür zu.


Das ist ein absolutes No-Go. Man kann einen Satz weder in den Kaffee rühren noch damit eine Tür zuschlagen. Lasst so was!



Gute Alternativen


Am elegantesten ist es, auf Inquit-Formeln zu verzichten. In Dialogen mit zwei Personen könnt ihr durch das richtige Benutzen von Absätzen das Hin und Her optisch darstellen. (Hier mehr dazu!) So könnt ihr den Dialog einfach laufen lassen und nur hier und da eine Inquit-Formel einstreuen, um die Lesenden daran zu erinnern, wer was sagt.


Eine andere Möglichkeit ist es, Inquit-Formeln durch Hauptsätze zu ersetzen. Nutzt dies vor allem in den Fällen, die ich unter No-Gos gelistet habe. Anstatt zu schreiben:


„Mir reicht’s“, schlug er die Tür zu.


schreibt ihr:


„Mir reicht’s!“ Er schlug die Tür zu.


Dadurch, dass beides in einem Absatz steht, wird klar, dass dieselbe Person, die hier handelt, auch gerade gesprochen hat. Auch so wird also die Zuordnung klar.


Achtet aber auch hier auf Wiederholungen. Viele Autor*innen legen sich Standardsätze zu, die sie immer wieder automatisch hervorholen. Da zuckt dann in jedem dritten Absatz jemand mit den Schultern oder streicht sich durchs Haar. Auch diese Technik kann also zu Wiederholungen führen. In dem Fall könnte jemand ja wieder einfach was sagen.



Fazit


Scheut euch nicht davor, die klassischen Sprechverben „sagen“, „fragen“, „antworten“ etc. zu benutzen, auch wenn es wiederholend klingt. Setzt Synonyme sparsam ein und wirklich nur dann, wenn sie passen. Auch Hauptsätze können auf die sprechende Figur verweisen, streut also auch sie immer wieder ein.


Natürlich sind die Inquit-Formeln auch etwas, worauf wir im Lektorat achten. Für eine persönliche Beratung, nimm gerne Kontakt mit mir auf.


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