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Verlag oder Selfpublishing – Zwei Veröffentlichungswege aufgeschlüsselt

Aktualisiert: Feb 17

Wenn das erste Buch fertiggestellt ist, kommt schnell die Frage: Suche ich mir einen Verlag, oder bringe ich das Buch im Selfpublishing heraus? Diese Frage lässt sich – wie so viele – nicht pauschal beantworten. In diesem Artikel schlüssele ich Unterschiede beider Formen auf, damit ihr besser darüber entscheiden könnt, welchen Weg ihr gehen wollt.




Das Schreiben


Beim ersten Buch macht es keinen Unterschied, ob ihr einen Verlag suchen oder ins Selfpublishing gehen wollt. In jedem Fall rate ich, das erste Buch erst mal zu Ende zu schreiben, bevor ihr euch über eine Veröffentlichung Gedanken macht. Die meisten Verlage verlangen, dass das Manuskript bereits fertig ist, bevor es eingereicht wird. Erst bei erfahrenen Autoren vertrauen Sie darauf, dass sie ein Buch auch wirklich fertigstellen, und machen bisweilen Verträge nur anhand eines Exposés.


Für die folgenden Bücher hat der gewählte Weg allerdings Auswirkungen für euer Schreiben.


Im Verlag


Ein Verlag wird gewisse Ansprüche an euer Schreiben stellen. Plant ihr zum Beispiel eine Reihe, die der Verlag unter Vertrag nimmt, kann er euch Deadlines für die kommenden Teile geben, die ihr einhalten müsst. Auch kann er euch dazu ermuntern (allerdings nicht zwingen), im selben Genre zu bleiben. Wollt ihr zum Beispiel von Romance zu Scifi wechseln, muss der Verlag diesen Weg nicht mitgehen, und dann steht ihr wieder alleine da und müsst einen neuen Verlag suchen. Üblicher ist allerdings, dass ein Vertrag nur über ein Buch gemacht wird. Insofern steht euch danach natürlich frei, das zu schreiben, was ihr schreiben wollt.


Im Selfpublishing


Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte man da im Selfpublishing mehr Freiheiten. Wer sich allerdings die erfolgreichen Selfpublisher anschaut, der sieht, dass sie dieselbe Strategie verfolgen wie Verlage: Sie bleiben in einem Genre, schreiben regelmäßig und schnell und halten bestimmte Veröffentlichungszyklen ein. Das ist sinnvoll im Sinne der Markenbildung und Kundenbindung. Wer es etwas entspannter angehen und das Schreiben mehr als Hobby praktizieren will, kann sich allerdings in seinem Schreiben treiben lassen und dennoch hin und wieder veröffentlichen. Insofern ja, größere Freiheit.



Den richtigen Partner finden


Im Verlag


Die Suche nach einem Verlag oder einer Agentur kann dauern und ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Außerdem erfordert sie Nerven, weil man lernen muss, mit all den Absagen umzugehen. (Schöne Beispiele gibt es auf der Trostliste (http://www.andreaseschbach.de/schreiben/verlagssuche/trostliste/trostliste.html von Andreas Eschbach.) Viele Autor*innen lassen sich allein von dieser Suche abschrecken und suchen sofort die Lösung im Selfpublishing, was ich gut verstehen kann. Hat man aber einen Verlag oder eine Agentur gefunden, dann hat man im Bestfall einen kompetenten Partner an der Seite, der mit einem gemeinsam an dem Buch arbeitet.


Im Selfpublishing


Auch hier gilt es, die passenden Partner zu finden: Lektoren, Coverdesigner, Buchsetzer (dazu später mehr). Aber vor allem muss man sich entscheiden, welchen Dienstleister man wählt. KDP Select oder doch BOD, vielleicht sogar einen ganz anderen Weg, wenn man automatische Distribution auf alle möglichen Online-Plattformen will (also Google Books, iBooks etc.). Man muss sich viel intensiver mit dem Markt beschäftigen und sich in Themen einarbeiten, die einem eventuell fremd sind. Allerdings besteht dadurch die Möglichkeit, den eigenen Weg ganz individuell zu gestalten und so das Beste aus dem eigenen Buch herauszuholen.


Allerdings gibt es hier auch einen wachsenden Markt an Abzockern und fadenscheinigen Angeboten, die mit falschen Versprechungen locken und sich an unerfahrenen Autor*innen bereichern wollen. Vorsicht ist geboten.



Lektorat


Ich widme dem Lektorat eine eigene Rubrik, weil es hier auf beiden Seiten viele Vorurteile oder Missverständnisse gibt, über die ich gerne aufklären möchte. Und weil es mein Steckenpferd ist. Ihr braucht eine Lektorin? Ruft mich an! (Genug Eigenwerbung!)


Im Verlag


Oft hört man Horrorstorys davon, wie ein*e Lektor*in ein ganzen Buch umgeschrieben hat oder dass der/die Autor*in am Ende seine eigene Geschichte nicht wiedererkannt hat. Solche Beispiele mag es geben (mir persönlich ist noch niemand begegnet, der diese Erfahrung gemacht hat). Die Wahrheit ist allerdings, dass auch in Verlagen das Lektorat nicht ohne den/die Autor*in geschieht. In den besten Fällen arbeiten Autor*in und Lektor*in eng zusammen und finden so Lösungen für tatsächliche Mängel im Manuskript. Über den Kopf des Schreibenden hinweg wird nichts entschieden.


Tatsächlich fällt das Lektorat in verschiedenen Verlagen auch unterschiedlich aus. Vor allem in kleineren Verlagen wird ein Manuskript oft nur wenig kommentiert, und mir sind auch schon Autor*innen begegnet, die sich mehr vom Verlagslektorat versprochen hatten. Es ist also nicht gesagt, dass der Eingriff beim Verlag umfassender ausfällt, als wenn man selbst eine*n Lektor*in engagiert.


Im Selfpublishing


Hier ist das größte Missverständnis, dass das Lektorat so viel kostet und man das im Verlag umsonst bekommt. Das stimmt natürlich nicht. Obwohl man im Verlag für das Lektorat nichts bezahlen muss, wird der Aufwand natürlich mit dem Verkaufsanteil pro Buch abgegolten. Der Unterschied besteht also lediglich darin, wer in Vorleistung geht: Autor*in oder Verlag.


Auch wenn es teuer ist, ist ein Lektorat unumgänglich, auch oder vielleicht besonders im Selfpublishing. Ein professionell lektoriertes Buch liest sich flüssiger, macht einen besseren Eindruck und kann so Kunden viel mehr an die Autorenmarke binden. Die Suche nach dem passenden Lektor oder der passenden Lektorin ist zwar auch mit Aufwand verbunden, über die Datenbank des VfLL (www.lektoren.de) finden sich aber schnell gute Kandidat*innen, mit denen man sich unbedingt vorher austauschen sollte.




Cover, Layout


Im Verlag


Ja, der Verlag hat das letzte Wort, wenn es um das Cover geht. Und – ganz ehrlich – das ist auch gut so. Autor*innen sind meistens keine ausgebildeten Designer*innen. Insofern sollte dieser Schritt einem Profi überlassen werden. Allerdings ist es einem Verlag nicht egal, was die Autor*innen vom Cover halten. Und wenn man fundierte Einwände hat (es passt nicht zu Geschichte, es gibt zu viel preis, es ist nicht attraktiv für die Zielgruppe), dann hört der Verlag auch zu und macht Änderungen. In meinem Fall war es so.


Dasselbe gilt fürs Innenlayout, das in den meisten Fällen natürlich schlicht ist, eventuell einzelne grafische Elemente enthält. Auch in Sachen Font, Überschriftendesign etc. wissen Verlage, was sie tun. Wer genaue Vorstellungen hat, kann die sicher mit dem Verlag diskutieren, aber alle Extras sind eine Kostenfrage. Andere Autor*innen sind sicher glücklich, dass sie sich um all diese Dinge keine Gedanken machen müssen.


Im Selfpublishing


Hier muss man sich all diese Gedanken machen. Wie im Lektorat sollten Autor*innen Profis hinzuziehen, die sich mit diesen Dingen auskennen. Denn auch ein unprofessioneller Look schreckt Leser*innen ab, vor allem beim Cover. Auch hier kommen Kosten auf einen zu, die nicht zu unterschätzen sind.



Marketing


Im Verlag


Ein verbreitetes Missverständnis ist, dass man sich, wenn man einen Verlag hat, nicht ums Marketing kümmern muss. Das stimmt nicht. Selbst wenn der Verlag ein gutes Marketingbudget für das Buch bereitstellt, wird dennoch von Autor*innen erwartet, dass sie sich einbringen, eine eigene Website aufbauen, Social-Media-Profile pflegen, für Lesungen bereitstehen oder sogar selbst welche organisieren. Wer also glaubt, alles auf den Verlag abwälzen zu können, der täuscht sich. Aber auch hier gilt: In einer guten Partnerschaft stemmt man das gemeinsam.

Wahr ist aber auch, dass die Marketingbudgets in Verlagen nicht mehr so hoch sind. Das wenige Geld fließt dann meistens ein paar erfolgversprechenden Veröffentlichungen zu. Neue Autor*innen, die sich noch nicht bewiesen haben, bekommen oft wenig vom Kuchen ab und landen irgendwo hinten im Programmheft. Auch dann bleibt es den Autor*innen überlassen, ihr Buch zu bewerben.


Im Selfpublishing


Hier ist ganz klar, dass man sein Marketing selbst übernehmen muss. Wer aus der Masse herausstechen will, muss kreativ sein und sich einiges überlegen. Ein wenig Budget ist auch hier sicher sinnvoll, und bis man herausgefunden hat, was funktioniert und was nicht, können schon mal einige Hundert Euro in den Orkus geflossen sein. Unternehmerisches Denken wird hier belohnt, und ein paar Weiterbildungen und gute Literatur können auch nicht schaden.



Vertrieb


Im Verlag


Damit hat man als Verlagsautor*in wirklich nichts am Hut. Was bin ich froh, dass mein Buch auf allen Plattformen erhältlich ist, ohne dass ich etwas dazu beitragen musste. In vielen Buchhandlungen liegt es dennoch nicht aus, was aber nicht ungewöhnlich ist. Dort werden meist nur die Verkaufsschlager ausgelegt, bestellen kann man es dort trotzdem.


Im Selfpublishing


Hier hängen die Vertriebsmöglichkeiten stark von den Veröffentlichungspartnern ab. Entscheidet man sich zum Beispiel exklusiv für Amazon, ist das Buch auch nur dort zu haben. Wählt man BOD, wird das Buch auch in das Barsortiment von Libri aufgenommen und kann in Buchhandlungen und auf diversen Online-Plattformen bestellt werden. Zum Glück ist es nicht mehr nötig, 1000 Exemplare zu kaufen und diese aus der eigenen Garage heraus zu verschicken. Dennoch muss alles elektronisch bereitgestellt werden. Auch das ist Aufwand und kann je nach Plattform seine Zeit dauern.



Der Ruf


Im Verlag


Viele Wettbewerbe, Preise und Vereinsmitgliedschaften stehen bis heute nur Autor*innen offen, die bei einem Verlag veröffentlicht haben. Auch von der Presse werden nur Bücher besprochen, die einen Verlag im Rücken haben – einige Ausnahmen ausgenommen. Immer noch ist der Ruf auf dieser Seite besser, als habe man als Autor einen Schwellenhüter überwunden, der einem Zugang zu einem exklusiven Club gewährt. Wer das möchte, wer Preise gewinnen und an Wettbewerben teilnehmen möchte, der sollte den Weg über einen Verlag ins Auge fassen.


Im Selfpublishing


Die literarische Elite rümpft nach wie vor die Nase über das Selfpublishing – zu Unrecht, wie ich finde. Auch wenn es immer wieder Ausreißer gibt, die holterdiepolter ihr mangelhaftes Machwerk auf den Markt werfen und auf großen Erfolg hoffen, habe ich in den letzten Jahren als Lektorin eine zunehmende Professionalität unter Selfpublishern erlebt. Nicht nur die individuelle Herangehensweise an das Schreiben als Beruf hat sich verändert, es gibt auch Verbände, Initiativen, Preise für Selfpublisher und vieles mehr. Selfpublisher produzieren Hörbücher, lassen Übersetzungen anfertigen und werden international. Auch wenn immer noch ein Makel am Selfpublishing hängt, so halte ich es nur für eine Frage der Zeit, bis der verschwindet.



Einnahmen


Es ist unmöglich, über den zu erwartenden Verdienst eine klare Aussage zu machen. Es gibt zu viele Faktoren, zu viele Variablen. Wer sich allein an den Prozentzahlen orientiert (beim Verlag verdient man 5 % bis 10 % des Nettoverkaufpreises an einem Taschenbuch, bei Amazon 70 %), der verkennt Aspekte wie Vorleistungen (Lektorat, Design etc.), Vorschüsse vom Verlag, Marketingbudgets, kosten der einzelnen Bücher (Verlagsbücher sind teurer als eigenverlegte Bücher, und die Kunden erwarten das auch), Erfolg bei den Leser*innen (der beinahe unmöglich vorherzusagen ist). Es gibt auf beiden Seiten Erfolgsbeispiele. Ebenso gibt es auf beiden Seiten diejenigen, die es nie über ein Taschengeld hinaus schaffen. Deswegen sollte jeder seine eigene Rechnung aufmachen. Wer das Schreiben ernsthaft betreiben möchte, ob mit einem Verlag oder im Selfpublishing, muss sich ein paar kaufmännische Fähigkeiten aneignen. Sonst wird man weder hier noch dort glücklich.



Fazit


Es ist an der Zeit, das Selfpublishing als gleichwertige Alternative zum traditionellen Verlag zu sehen. Beide Wege haben ihre Berechtigung, ihre Vorteile und Nachteile. Welcher Weg verfolgt wird, ist keine Frage der schriftstellerischen Qualität oder der Erfolgsaussichten mehr, sondern lediglich persönliche Präferenz. Wer sich all den Aufgaben, die das Selfpublishing mit sich bringt, gewachsen fühlt, den kann hier ein erfüllte Karriere erwarten. Wer auf Anerkennung des literarischen Betriebs hofft und die Unterstützung eines Verlags schätzt, der sollte sich auf diesen Weg begeben.



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