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5 Wörter und Formulierungen, die es zu vermeiden gilt - Teil 1

Im Lektorat stolpere ich immer wieder über ein paar Wörter und Formulierungen, die sich mit einer beachtlichen Hartnäckigkeit unter Autoren halten, obwohl sie unschön, umständlich oder schlichtweg falsch sind. In dieser fortlaufenden Reihe werde ich immer wieder ein paar davon auflisten und erklären, warum ich sie beinahe immer ändere.




1. Regelrecht


Dieses Adjektiv wird in Prosa hauptsächlich zur Verstärkung einer Tatsache oder einer Handlung benutzt. Synonyme sind zum Beispiel „ausgesprochen”, „buchstäblich” und „geradezu”.

  • Es kam zu einer regelrechten Schlägerei.

  • Sie warf ihn regelrecht aus dem Haus.

Das Wort verleiht in seiner Tiefenbedeutung dem eigentlichen Akt etwas mehr Dramatik. Im zweiten Beispielsatz etwa können wir uns eine Situation vorstellen, in der die Handlung des Rauswurfs eigentlich nicht ganz so drastisch war. In etwa: „Dann stand sie auf, holte seine Jacke und bat ihn, zu gehen. Sie warf ihn regelrecht aus dem Haus.” Das Wort beinhaltet also eine Dramatisierung und eine Konkretisierung.


Damit hat es im deutschen Sprachgebrauch seine Berechtigung. Aber wie bei so vielem macht die Dosis hier das Gift. Einige Autoren benutzen das Wörtchen „regelrecht” nämlich in jeder Situation, in der sie die Heftigkeit von etwas unterstreichen möchten.

  • Er schlug ihm regelrecht ins Gesicht, sodass seine Nase brach.

In diesem Satz brauchen wir das Wörtchen „regelrecht” nicht, denn die Dramatik der Situation wird durch die gebrochene Nase viel anschaulicher beschrieben. Und nicht immer ist eine Verstärkung tatsächlich möglich. Man kann zum Beispiel nicht regelrecht sterben oder regelrecht ein Kind bekommen. Nehmt das Wörtchen jedes Mal, wenn ihr es benutzen wollt, unter die Lupe. Meist könnt ihr es weglassen.



2. Welche/welcher/welches


Hier geht es mir vor allem darum, wenn diese Wörtchen als Einleitung für einen Relativsatz benutzt werden.

  • Er ging in das Haus, welches an der Ecke stand.

  • Sie hob die Katze hoch, welche schnurrte.

Diese Konstruktionen sind umständlich, wirken angestrengt hochgestochen und entlarven meist junge Autoren. Die Pronomen der, die und das sind direkter, schmaler und eleganter. Hier und da lasse ich „welche/r/s” in Fantasy oder Historienromanen stehen, wenn es sprachlich in den Kontext passt, aber meistens fallen sie dem Rotstift zum Opfer.



3. Schön


Autor*innen sind ohnehin angehalten, so wenige Adjektive wie möglich zu nutzen. Ein besonders nichtssagendes Adjektiv ist „schön”. Vor allem, weil es subjektiv ist. Wird etwas oder jemand als schön beschrieben, hilft das den Leser*innen nicht dabei, sich den Gegenstand oder die Person bildlich vorzustellen. Es ist ein leeres Wort. Versucht stattdessen, keine wertenden, sondern tatsächlich beschreibende Adjektive zu finden.




4. Sprechen


Das Verb „sprechen” wird gerne anstatt „sagen” verwendet, wenn Autor*innen Sorge haben, „sagen” in Dialogen zu oft zu wiederholen. Allerdings sind die beiden Wörter keine Synonyme. Man sagt einen Satz, aber man spricht eine Sprache oder ein Gebet. „Sagen” verweist auf Inhalt, „sprechen” auf einen physischen Akt. Deswegen wirkt es in vielen Kontexten fehl am Platz:

  • „Ich gehe nach Hause”, sprach Otto.

Das Verb unterstellt hier eine gewisse Gravitas, mit der der Inhalt des Gesagten nicht mithalten kann. Dann schon eher:

  • „Der König ist tot, lang lebe der König”, sprach der Bischof.

Insofern hat das Verb „sprechen” in Begleitsätzen von Dialogen (sehr selten) seinen Platz, wenn das Gesagte große Wichtigkeit hat, wenn es Ehrfurcht gebietet, wenn es einem Gebet oder etwas Ähnlichem gleichkommt. Es allerdings einfach immer anstatt „sagen” zu verwenden, ist nicht richtig und beschwert Texte unnötig.



5. Zum Verweilen einladen


Diese kleine Formulierung ist im Marketing-Sprech bis heute weit verbreitet. Aber euer Text ist keine Werbebroschüre. Euch fällt sicher etwas weniger Abgeschmacktes ein, um eine Umgebung zu beschreiben.



Wenn euch Formulierungen einfallen, die ihr auf dieser Liste seht, oder falls ihr Fragen habt, die ich in einem Blogartikel behandeln soll, lasst es mich wissen.


Keinen Blogbeitrag mehr verpassen mir der Post aus der Schreibwerkstatt



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