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Der Apostroph

Kaum ein Satzzeichen sorgt für mehr Verwirrung als der Apostroph. Vor allem in Zeiten, in denen viele von uns Englisch spreche und lesen, kommt es immer häufiger zum falschen Einsatz des Apostrophs. Denn im Englischen wird er anders verwendet als im Deutschen. Wann also benutzt man ihn, und wie benutzt man ihn richtig?




Auslassung


Prinzipiell kennzeichnet ein Apostroph das Weglassen von Buchstaben oder Wortteilen. Dies passiert vor allem in der Poesie (’s ist mein Wille und mein Weg) oder bei der Wiedergabe gesprochener Sprache (Geh’n wir in ’ne Kneipe).



Zusammenziehungen


Außerdem wird der Apostroph eingesetzt, wenn zwei Wörter zusammengezogen werden:


Wie du’s (du es) haben willst.

So läuft sich’s (sich es) leichter.


Allerdings gibt es hier einige Formen, die inzwischen auch ohne Apostroph genutzt werden können und als vollwertige Formen in den Duden aufgenommen sind.


Gehts dir gut?

Ums Haus herum.


Ein Check im Duden ist also anzuraten, wenn ihr euch nicht sicher seid.




Genitiv


Ein häufiger Fehler ist der, das Genitiv-s im Deutschen mit einem Apostroph vom Wortstamm abzutrennen (wie es im Englischen üblich ist). Das ist allerdings falsch. Tut es nicht. Niemals! Ich meine es ernst. Scham und Schande soll über euch kommen. Wir Lektor*innen und Korrektor*innen nennen ihn auch Deppenapostroph.


Der Apostroph wird beim Genitiv nur dann verwendet, wenn das Substantiv auf ein S (oder einen s-Laut) endet und damit der Genitiv nicht zu erkennen wäre. Hier wird ein Apostroph HINTER das Wort gesetzt, um den Genitiv zu markieren:


Felix’ Buch

Andreas’ Auto

Grass’ Blechtrommel

Agnes’ Atomkraftwerk


Fun Fact: Im Englischen wird übrigens auch an solche Wörter ein Genitiv-s gehängt: Agnes’s nuclear reactor.



Apostroph in der Textverarbeitung


Der Apostroph wird auch als Hochkomma bezeichnet, was einen wichtigen Hinweis darauf gibt, wie er auszusehen hat: Wie ein Komma ist er nach rechts geneigt, nicht etwa andersherum. Auf der klassischen Tastatur gibt es interessanterweise keine eigene Taste für den Apostroph. Oft werden fälschlicherweise die Akzente genutzt (in der Zahlenreihe rechts vor der Delete-Taste). Diese führen aber in vielen Schriftarten zu unschönen Zwischenräumen und werden oft falsch formatiert, wenn Schriften gewechselt werden. Noch öfter werden die einfachen Anführungszeichen verwendet (Shift und Raute-Taste), und in vielen Schriftarten in Word werden diese auch bei falscher Richtung automatisch in einen Apostroph umgewandelt. Dies gilt allerdings nicht für alle Schriftarten und nicht für alle Schreibprogramme. Und wer mit dieser Taste versucht, ein Apostroph an den Anfang eines Wortes zu setzen, wird kläglich scheitern.


Der tatsächliche Apostroph ist etwas komplizierter über den Nummernblock zu finden. Tippt bei gedrückter Alt-Taste die Zahlenfolge 0146, dann wird ein Apostroph eingefügt. Diese Tastenkombination funktioniert in beinahe allen Softwareprogrammen, die Text beinhalten. Ich persönlich habe mir in Word ein Makro gebastelt, sodass bei mir ein Apostroph gesetzt wird, wenn ich Strg+Alt+# drücke.


Wie immer gilt: Wenn euch ein Thema unter den Nägeln brennt, lasst es mich wissen, dann schreibe ich einen Blogbeitrag dazu.


Nie wieder einen Beitrag verpassen mit der Post aus der Schreibwerkstatt.