Wieso ich meine Blogartikel nicht mit KI schreibe
- 26. Juni
- 4 Min. Lesezeit
KI ist ein heiß diskutiertes Thema in unserer Branche. Der Stand der Technik verändert sich quasi monatlich, und es gibt eine Menge Ansätze, wie man damit umgehen soll. Einige loben KI als das neue Allheilmittel, andere behaupten, die Entwicklung sei unumgänglich, wieder andere verteufeln sie.
Ich möchte in diesem Artikel einen ganz persönlichen Blick auf meinen Umgang mit KI in diesem Blog werfen, denn natürlich habe auch ich mir viele Gedanken dazu gemacht, wie ich KI in meinen Arbeitsalltag integrieren kann und ob ich das überhaupt möchte. Tatsächlich habe ich auch ein paar Artikel – nämlich die über KI von vor zwei Jahren – von einer KI schreiben lassen, habe mich dann aber dagegen entschieden, KI weiterhin für die Generierung von Texten zu verwenden. Das hat vielerlei Gründe, und die will ich euch hier erörtern.
Warum seid ihr hier?
Ihr seid hier, weil ihr etwas über das Schreiben lernen wollt, am besten von jemandem, der sich mit dem Schreiben auskennt. Es käme mir beinahe unehrlich vor, wenn ich euch Beiträge vorsetzen würde, die nicht aus meiner eigenen Feder stammen. Wie kann ich mich als Expertin auf einem Gebiet verkaufen, wenn ich meine Fähigkeiten gar nicht einsetze?
Natürlich kann man argumentieren, dass nicht jeder Trainer auch Profi in seiner Sportart sein muss. Aber würdet ihr Schwimmen von jemandem lernen wollen, der selbst Schwimmflügel benutzt? Ich nicht.
Außerdem begeistert mich das Schreiben. Ich liebe den Umgang mit Worten, das Vermitteln von Informationen durch Sprache. Ich feile gerne an meinen Sätzen und betrachte jeden Text als eine Möglichkeit zum Üben. Wieso sollte ich das an eine Maschine abgeben? Wie kann ich euch begeistern, wenn ich selbst nicht begeistert bin?
Meine Expertise, nicht die der anderen
Large Language Models greifen beim Erstellen von Texten auf das geballte Wissen des Internets zurück und fassen die häufigsten Ansichten und Thesen zu einem bestimmten Thema zusammen. Wenn ich also zum Beispiel einen Artikel über Erzählperspektiven schreiben lassen würde, bekäme ich eine tolle Zusammenfassung dessen, was andere darüber geschrieben haben.
Und genau das möchte ich nicht. Natürlich habe auch ich vieles von anderen gelernt, durch Literatur, Workshops, Weiterbildungen, aber eben auch durch viele Jahre Erfahrung im Lektorat. Was ihr hier lest, ist nicht die Expertise von anderen, hübsch zusammengefasst in Bullet Points und Listen, sondern meine eigene. Und vielleicht – oder hoffentlich – habe ich deswegen etwas anderes oder sogar mehr zu bieten, als ein Durchschnitt aller anderen Beiträge es könnte. Hätte ich nichts Eigenes zum Thema zu sagen, müsste ich keinen Artikel darüber schreiben.

Schreiben ist Denken
Einer der wichtigsten Punkte ist allerdings, dass dieser Blog nicht nur euch als Informationsquelle und Inspiration dienen soll, sondern auch mir selbst. Ich wähle die Themen für meine Beiträge vor allem nach meinem eigenen Interesse. Was hat mich in letzter Zeit beschäftigt? Über welches Thema im Lektorat bin ich gestolpert? Wo gilt es, mein Wissen zu vertiefen? Einen Artikel darüber zu schreiben, gibt mir die Chance, etwas Neues zu lernen und meine Fähigkeiten zu schärfen. Ich strebe danach, ständig besser zu werden in meinem Job. Dieser Blog ist ein Werkzeug dafür.
Ich bin der festen Überzeugung, dass das mit KI in der Form nicht möglich wäre. Ja, auch ein mit KI erstellter Artikel muss überarbeitet werden, also lese ich ihn zumindest durch, streiche eventuell Passagen, mit denen ich nicht konform gehe, und mache Ergänzungen. Aber nur wenn ich ihn selbst schreibe, erarbeite ich die logischen Zusammenhänge eigenständig und präge sie mir wirklich ein. Nur so kann ich die neuronalen Verknüpfungen herstellen – eine Tatsache, die die Forschung übrigens belegt. Für mich ist Schreiben eine Form des Denkens, und mein Denken auszulagern, kommt für mich nicht infrage.
Das Urheberrecht
Zuletzt ist es für mich auch eine Frage des Respekts gegenüber meinen Kolleg*innen, keine LLMs für meine Artikel zu nutzen. Wenn KI Texte zum eigenen Training benutzt, tut sie das meist, ohne die Quellen anzugeben, was bedeutet, in meinem Blog stünden dann Dinge, die ohne Quellenangabe von anderen übernommen wären – eigentlich also Plagiate. Ihr Arbeit als meine eigene auszugeben, widerstrebt mir. Natürlich kann man auch hier argumentieren, dass vieles, worüber wir schreiben, gängiges Wissen in unserer Branche ist und damit nicht neu. Aber wo zieht man die Grenze? Und würde ich es sehen, wenn doch plötzlich ein Punkt in dem KI-generierten Text auftauchen würde, der einer bestimmten Person zugeschrieben werden kann? Wahrscheinlich nicht.
In jedem Fall würde es sich nicht wie mein Text anfühlen. Und tatsächlich ist die Frage des Urheberrechts für KI-generierte Texte noch nicht final geklärt. Deswegen bleibe ich lieber auf der sicheren Seite und profitiere nicht davon, dass die Texte anderer ohne deren Zustimmung und ohne Vergütung von den LLMs fürs Training herangezogen werden.
Fazit
Dies ist, wie bereits gesagt, meine ganz persönliche Sicht auf das Thema. Ich diskutiere gerne und viel darüber und lerne auch jeden Tag dazu. Aber wenn ich euch eines ans Herz legen darf, dann dies: Gebt das Schreiben nicht an eine Maschine ab, wenn ihr es doch so mögt. Ihr könnt euer Handwerk nur verbessern, wenn ihr selbst schreibt. Dazu gehört, dass die erste Fassung eines Textes miserabel ist, dass ihr eine Stunde vor der leeren Seite sitzt, dass ihr Unsicherheiten aushalten müsst. Aber dazu gehört auch das unfassbar belohnende Gefühl, eine Passage zu lesen und zu denken: „Wow, das habe ich geschrieben.“
Und lasst euch nicht unter Druck setzen von einem Zeitgeist, der euch weismachen will, ohne KI werdet ihr bald abgehängt. Für schöne handgemachte Texte wird es immer ein Publikum geben.
Du willst keinen Blogbeitrag mehr verpassen? Melde dich hier für die Post aus der Schreibwerkstatt an.




Kommentare