Fünf Fragen, die sich Autoren stellen sollten, bevor sie eine Lektorin beauftragen

Aktualisiert: 27. Mai 2019


The End! Es ist geschafft, der letzte Satz ist geschrieben, der letzte Punkt gesetzt, das Manuskript ist fertig. Dieses Hochgefühl ist kaum zu überbieten, und es ist ganz natürlich, dass Autoren genau in diesem Moment voller Aufregung den nächsten Schritten entgegen sehen. Ein Cover muss her, die Danksagung hat man auch schon seit Monaten im Kopf, schnell noch ein Lektorat und dann kann das Ganze auch schon veröffentlicht werden.


Doch so gerne man jetzt vorwärts kommen will, nachdem man so viel Zeit am Schreibtisch verbracht hat, dies ist nicht der richtige Moment, um eine Lektorin zu beauftragen. Bevor Sie zum Hörer greifen, sollten Sie sich erst einige Gedanken zu Ihren Erwartungen an das Lektorat machen und außerdem checken, was Sie selbst noch tun können, damit das Lektorat so effektiv wie möglich sein kann. Hier sind einige Fragen, an denen Sie sich entlang hangeln können.





1. Ist mein Manuskript bereit für ein Lektorat?


Die erste Fassung des Manuskripts ist ein wichtiger Meilenstein. Klopfen Sie sich auf die Schulter, die Wenigsten schaffen es bis hierher. Doch bevor Sie jetzt eine Lektorin an Ihre Geschichte lassen, können Sie selbst noch sehr viel an Ihrem Manuskript tun. Legen Sie es weg, gönnen Sie sich ein wenig Abstand und lesen Sie es noch einmal. Stimmen alle Abläufe? Finden Sie selbst beim Lesen Längen oder Unstimmigkeiten? Haben Sie eine Passage vergessen, von der Sie sicher waren, Sie hätten sie geschrieben? Und natürlich können Sie selbst Rechtschreibung und Stil überprüfen, holprige Sätze ausbessern und Wörter austauschen. Sie werden kaum glaube, wie sehr Sie Ihr Manuskript selbst verbessern können.


Ein weiterer wichtiger Schritt sind Testleser. Sie als Autor haben Monate oder sogar Jahre an Ihrer Geschichte gearbeitet, keiner kennt Ihre Figuren so gut wie Sie, niemand hat mehr Einblick in Ihre Geschichte. Leider ist es genau das, was Sie betriebsblind macht. Testleser können Ihnen eine ehrliche Einschätzung ihrer Geschichte geben. Natürlich sind Sie keine Experten und achten nicht auf jede Formulierung und jeden Rechtschreibfehler. Aber als Repräsentanten der Leserschaft können Sie Ihnen ganz ungefiltert mitteilen, wie Ihr Buch wahrgenommen wird. Wie wirken Ihre Figuren auf Leser, die keine Vorkenntnisse über Ihre Geschichte haben? Wo sind spannende Passagen, wo haben die Leser sich gelangweilt? Wie gefällt ihnen der Schreibstil und passt er zur Geschichte und zum erwarteten Publikum? Ihre Testleser können Sie auf neue Ideen bringen und Ihnen Einblicke verschaffen, die Sie unmöglich alleine gehabt hätten. Natürlich hat nicht jeder die Möglichkeit, mit Testlesern zu arbeiten, dieser Schritt ist also kein Muss, aber sicherlich sehr hilfreich. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie Testleser finden können, lesen Sie hier weiter.


Wenn sie anhand ihrer eigenen Korrekturen und mit dem Feedback der Testleser Ihr Manuskript überarbeitet haben, wenn Sie alles getan haben, was Sie selbst tun können, dann ist es an der Zeit, eine Lektorin ins Boot zu holen. Eine Lektorin ist wie ein Elektriker: Sie bestellen ihn nicht ein für Dinge, die sie selbst tun können, wie eine Lampe auszutauschen. Erst, wenn Sie selbst nicht mehr weiter wissen, holen Sie einen Experten ins Boot.



2. Was soll die Lektorin für mich tun?


Landläufig teilt man die Arbeit von Lektoren in drei Kategorien: Inhalt, Sprache und Formalien. Beim Inhalt geht es um den Aufbau der Geschichte, die Figuren und wie sie sich entwickeln. Auf der sprachlichen Ebene überprüfen wir, ob der Stil zur Zielgruppe passt, ob die Sprache also für die avisierten Leser angemessen ist, wir achten auf Verständlichkeit, Sprachfluss und sprachliche Bilder und Metaphern. Hier geht es auch um die Grammatik. Unter Formalien fallen Rechtschreibung, Einheitlichkeit der Schreibweisen und je nach Textart noch ein paar andere Punkte. Wenn Sie mehr über drei Bereiche des Lektorats wissen möchten, lesen Sie hier weiter.


Jede Kategorie erfordert eine besondere Art, den Text zu lesen, weswegen eine Lektorin nur sehr begrenzt mehrere Schritte in einem Aufwasch bearbeiten kann. Sie sollten sich also vorher im Klaren darüber sein, was genau an Ihrem Text getan werden soll. Haben Sie den Inhalt bereits festgezurrt und brauchen nur Hilfe auf der sprachlichen Ebene? Oder sind Sie sich unsicher, ob Ihr Held eine gute Entwicklung durchmacht, und brauchen an der Stelle eine professionelle Einschätzung? Wenn Sie das im Vorhinein wissen, kann die Lektorin sehr viel schneller eine Einschätzung des Aufwands und damit auch der Kosten liefern. Und es kommt nicht zu unschönen Missverständnissen.


Eine kleine Seitennotiz: Die Betriebsblindheit, die ich unter Frage 1 erwähnte, gilt für jeden, auch für Lektorinnen. Wenn Sie mit einer Lektorin an Inhalt und Sprache Ihres Buches gearbeitet haben und sie Ihren Text bereits sehr gut kennt, ist es wahrscheinlicher, dass sie Fehler überliest. Deswegen bietet es sich an, jemand anderen für das finale Korrektorat zu engagieren. Das ist absolut üblich und eine Investition, die sich lohnen wird.



3. Was will ich mit meinem Buch machen?


Je nachdem, wohin Sie mit Ihrem Buch wollen, ändert sich die Arbeit des Lektorats. Wollen Sie Ihr Buch einem Verlag anbieten? Dann geht es wahrscheinlich eher darum, Genrespezifika und Geschichte zu überprüfen. Der Verlag wird selbst noch ein Lektorat vornehmen, in dem Sprache und natürlich die Formalien ausgebessert werden. Wollen Sie als Indie-Autor Ihr Buch über die bekannten Online-Plattformen als E-Book veröffentlichen? Dann sollte das Lektorat alle Ebenen abdecken, damit Sie ein geschliffenes Werk präsentieren können. Wollen Sie Ihr Buch auch als Print-Version rausbringen? Dann ist nach dem Satz vielleicht noch eine Umbruchkorrektur nötig, in der die finalen Print-Seiten auf eventuelle Fehler überprüft werden. Wenn sie vorher wissen, wohin Sie mit Ihrem Buch wollen, kann die Lektorin Ihnen ein individuelles Angebotspaket zusammenschnüren, das genau Ihre Bedürfnisse trifft.



4. Wer ist meine Zielgruppe?


Als Autoren stellen wir uns gerne vor, dass jeder unser Buch lesen kann. Von 9 bis 99. Die Wahrheit ist allerdings, dass Sie sich und Ihrer Geschichte keinen Gefallen tun, wenn Sie Ihre Zielgruppe nicht genauer anpeilen. Die Wahl einer Zielgruppe hat Auswirkungen auf die Sprache, die Lebensumstände der Figuren, die Länge, die Komplexität der Geschichte und vieles mehr. Machen Sie sich Gedanken über das Alter Ihrer Leser, über ihren Alltag, ihre täglichen Probleme. Wenn Sie Ihr Manuskript darauf ausrichten, ist schon viel gewonnen. Im Lektorat können wir Lektoren dann noch mal einen genauen Blick auf Sprache und Geschichte werfen, um zu eruieren, ob Buch und Leserschaft auch wirklich zusammenpassen.



5. Bin ich selber bereit für ein Lektorat?


Seien wir ehrlich: Ein Lektorat hat auch immer eine unangenehme Seite. Sie als Autor lieben ihre Charaktere und sind zu Recht sehr stolz auf Ihre Leistung. Es fällt nicht leicht, sein Herzblut einem Fremden zuzuschicken und auf Urteil zu warten. Und wenn man dann noch ein rot durchtränktes Dokument mit Hunderten Anmerkungen zurückbekommt, dann ist das im ersten Moment vielleicht schmerzhaft.


Unsere natürliche Reaktion, wenn unser Liebstes vermeintlich angegriffen wird, ist es, uns zu verteidigen. Aber eines sollten Sie immer im Hinterkopf haben: Das Ziel der Lektorin ist es, das Beste aus Ihrem Manuskript herauszuholen. Wir bringen dabei ein Hintergrundwissen mit, das vielen Autoren nicht bekannt ist. Das schmälert die Leistung des Schreibens an keiner Stelle, es ergänzt sie nur.


Dennoch sollten Sie auf diese Gefühle vorbereitet sein, wenn Sie nicht bereits ein Veteran sind und viele Lektorate durchgemacht haben. Und selbst dann tut es manchmal weh, wenn man liebgewonnene Passagen streichen muss. Seien Sie wütend, schreiben Sie eine empörte E-Mail an die Lektorin, schicken Sie sie NICHT ab, schlafen Sie stattdessen drüber und erinnern Sie sich am nächsten Morgen daran, dass die Lektorin Ihre Partnerin ist. Ein erfolgreiches Buch ist das gemeinsame Ziel.


Außerdem birgt ein Lektorat eine Geheimwaffe: Autoren können sehr viel aus dem Feedback des Lektorats lernen. Und beim nächsten Buch ist wahrscheinlich schon viel weniger Überarbeitung notwendig.


Wenn Sie immer noch Fragen haben, können Sie mich jederzeit für eine Beratung anrufen oder mir eine E-Mail schreiben.


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