... um es klarzustellen - Komma bei Infinitivgruppen

Aktualisiert: 27. Mai 2019

Weiter geht’s in der spannenden Welt der Kommasetzung mit einer weiteren Regel, die für viele Missverständnisse sorgt: die Infinitivgruppen.



Für alle, deren Zeiten im Deutschunterricht weit zurückliegen: Eine Infinitivgruppe ist die Kombination eines Infinitivs mit dem Wörtchen „zu”. Meist kommen noch andere Wörter hinzu, die dann gemeinsam mit dem Infinitiv und „zu” die Gruppe bilden. Ein paar Beispiele:


„Ich arbeite, um zu leben.“


„Sie weigert sich hierherzukommen.“


„Sie spielt, anstatt ihre Hausaufgaben zu machen.“


Früher musste jede Infinitivgruppe mit einem Komma vom Hauptsatz getrennt werden. Mit der Rechtschreibreform wurde diese Regel aufgeweicht, wodurch sich das Gerücht verbreitet hat, man könne sich aussuchen, wo man eine Infinitivgruppe mit einem Komma abtrennt und wo nicht. Natürlich ist es sehr viel komplizierter – es wäre nicht die deutsche Sprache, wenn es nicht so wäre. Hier also ein kleiner Überblick, der hoffentlich Licht ins Dunkel bringt.



Die Pflicht, ein Komma zu setzen


Gehen wir erst mal die drei Situationen durch, in denen ein Komma gesetzt werden muss.

Eine Infinitivgruppe muss mit einem Komma abgetrennt werden, wenn sie mit einer Konjunktion eingeleitet wird. Das gängigste Wörtchen hier ist „um”, weitere sind „als”, „außer”, „ohne”, „anstatt” und „statt”. Hier ein paar Beispiele:


„Sie geht, ohne einen Blick zurückzuwerfen.“


„Wir können nichts tun, außer abzuwarten.“


„Anstatt sich einzubringen, sitzt sie nur rum.“


„Wir sind gekommen, um zu bleiben.“


Dasselbe gilt, wenn die Infinitivgruppe von einem Substantiv abhängt. Diese Situation ist manchmal etwas schwer zu erkennen. Es hilft, wenn man im Kopf alles außer dem Substantiv und der Infinitivgruppe wegfallen lässt und so überprüft, ob der Bezug tatsächlich existiert. Ich deute das in den folgenden Beispielen in Klammern an.


„Ich habe ihm die Möglichkeit gegeben, sich zu erklären.“ (die Möglichkeit, sich zu erklären)


„Wir stehen in der Pflicht, ein Komma zu setzen.“ (die Pflicht, ein Komma zu setzen)


Der dritte Fall, in dem ein Komma gesetzt werden muss, ist, wenn die Infinitivgruppe durch ein hinweisendes Wort angekündigt oder, sofern sie vor dem Hauptsatz steht, wieder aufgenommen wird. Ich habe diese hinweisenden Worte im Folgenden gefettet, damit sie leichter zu identifizieren sind.


„Ich denke nicht daran, mein Zimmer aufzuräumen.“


„Spazieren zu gehen, darauf hätte ich jetzt Lust.“


Leider sind die Regeln auch hier etwas schwammig. So sagt der Duden, dass man im zweiten und dritten Fall das Komma weglassen kann, wenn die Gruppe nur aus dem Infinitiv und „zu” besteht und die Bedeutung des Satzes eindeutig ist.


„Ich habe Angst zu versagen.“


„Ich träume davon wegzulaufen.“


Man fährt allerdings auf der sicheren Seite, wenn man in diesen Fällen immer ein Komma setzt.



Wo man das Komma wegzulassen hat


Ja, auch diese Situationen gibt es. Genau genommen sind es zwei Fälle, in denen man üblicherweise kein Komma setzt.


Man sollte bei Infinitivgruppen auf ein Komma verzichten, wenn der Hauptsatz nur ein Hilfsverb („haben”, „sein” und „werden”) besitzt oder eines der folgenden Verben: „brauchen”, „pflegen”, „scheinen”.


„Er hat sich besser zu benehmen.“


„Er pflegt morgens die Blumen zu gießen.“


„Er scheint nicht überrascht zu sein.“


Der Grund hierfür ist, dass in diesen Fällen der Infinitiv mit dem übergeordneten Verb ein mehrteiliges Prädikat bildet. Der Infinitiv und das Verb bilden also eine festere Einheit, als es in den anderen Situationen der Fall ist.


Gleiches gilt, wenn der Hauptsatz und die Infinitivgruppe so ineinander verschränkt sind, dass es schwerfällt, den richtigen Ort für ein Komma zu finden.


„Das ausgefüllte Formular bitten wir an diese Adresse zurückzuschicken.“



Wo man sich aussuchen kann[,] ein Komma zu setzen


In allen übrigen Fällen steht es dem Autor frei, eine Infinitivgruppe durch ein Komma abzutrennen oder nicht. Wie immer steht bei der Entscheidung die Leserlichkeit im Vordergrund. Wenn es hilft, die Bedeutung zu erfassen, sollte auf das Komma nicht verzichtet werden.


„Ich empfehle[,] ein Komma zu setzen.“


„Wir versuchten[,] alles richtig zu machen.“



Fazit


Obwohl sich bei Infinitivgruppen das Gerücht durchgesetzt hat, man müsse kein Komma setzen, fährt man als Autor/in besser, wenn man öfter mal ein Komma setzt. Es hilft den Lesern dabei, den Satz schnell zu verstehen, und erleichtert das Verständnis.


Wenn ihr eine bestimmte Komma- oder Grammatikfrage habt, die euch schon länger verwirrt und zu der ich einen Blogartikel schreiben soll, lasst es mich wissen.


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