Was ist eine Normseite?

Aktualisiert: März 3

Autor*innen berechnen die Länge ihres Textes meist in Seiten. Doch schon aus Schulzeiten wissen wir, dass eine Seite je nach Größe der Schrift unterschiedlich viel Text beinhalten kann. Meine Klausuren zum Beispiel waren mit 10 bis 11 Seiten immer sehr kurz, was aber auch daran lag, dass ich schon immer eher mikroskopisch geschrieben habe. Und auch elektronisch hängt die Menge an Seiten von vielen unterschiedlichen Aspekten ab: Schriftgröße, Zeilenabstand, Font (Schriftart), Seitenrändern und Größe der Seite.


Damit wir im Literaturbetrieb mit einer einheitlichen Seite rechnen können, gibt es die sogenannte Normseite. Ihr könnt davon ausgehen, dass, wenn auf Websites von Agenturen, Verlagen oder Lektor*innen von einer Seite gesprochen wird, eine Normseite gemeint ist. Und so sieht eine Normseite aus:




Format


Eine Normseite ist eine DIN-A4-Seite mit 30 Zeilen à 60 Zeichen. Das ist im Prinzip alles, was ihr wissen müsst. Der Rest ist Makulatur. Das heißt also, auf jeder Seite sind 30 Zeilen, und in jede Zeile passen höchstens 60 Zeichen. Das ergibt eine maximale Zeichenzahl pro Seite von 1.800 – natürlich inklusive Leerzeichen, die werden immer mitgerechnet. Da aber in den wenigsten Zeilen tatsächlich 60 Zeichen sein werden, weil Wörter zu lang sind und deswegen in die nächste Zeile geschoben werden, ergibt sich eine durchschnittliche Zeichenzahl pro Seite von 1.500.


Diese beiden Zahlen werdet ihr vor allem im Umgang mit freien Lektor*innen sehen. Auf deren Websites wird wahrscheinlich vermerkt sein, mit welcher dieser beiden Zahlen sie eine Normseite berechnen. Der Verband freier Lektorinnen und Lektoren empfiehlt uns 1.500, und diese Zahl benutzen die meisten auch. Ihr könnt also einfach die Gesamtzeichenzahl eures Manuskripts durch 1.500 teilen und erfahrt so die Anzahl an Normseiten – immer inklusive Leerzeichen.



Layout


Natürlich kommt es beim Verschicken des Manuskripts darauf an, dass diese Normseite formatiert und lesbar gestaltet wird, denn ihr wollt es dem Empfänger so leicht wie möglich machen, euren Text zu lesen. Viele Agenturen und Verlage machen auf ihren Webseiten sehr genaue Angaben darüber, wie sie eine Normseite haben möchten. Haltet euch bei den Einsendungen in jedem Fall daran, sonst wird euer Manuskript im Zweifelsfall aussortiert, bevor auch nur ein Buchstabe gelesen wurde. Falls es keine genauen Angaben gibt, hier ein paar Tipps.



Schriftart und -größe


Über viele Jahre hinweg wurde empfohlen, als Schriftart Courier zu wählen. Das lag vor allem daran, dass diese Schriftart nichtproportional ist. Das heißt, dass alle Buchstaben und Zeichen dieselbe Breite haben. Damit lässt sich eine Einheitlichkeit der Normseiten garantieren. In Zeiten der elektronischen Textverarbeitung wird dieser Aspekt aber immer weniger relevant, da sich die exakte Normseitenzahl auch anders herausfinden lässt. Deswegen könnt ihr auch andere, besser leserliche Schriftarten wählen. Serifenschriften empfehlen sich immer (das sind die mit den kleinen Füßchen oben und unten), weil sie das Auge gut in einer Zeile halten, aber auch Schriften ohne Serifen sind in Ordnung. Wählt nichts Verrücktes. Die Leserlichkeit steht im Vordergrund.


Die Schriftgröße variiert natürlich nach Schriftart, da manche Fonts kleiner designt sind als andere. Achtet auch hier auf gute Lesbarkeit. Ein Äquivalent zu 12 Punkt in Times New Roman oder Arial ist üblich und sicher niemals verkehrt.


Und immer die automatische Silbentrennung ausschalten!




Zeilenabstand und Seitenränder


Mit diesen beiden Parametern könnt ihr am besten regulieren, dass auch tatsächlich 30 Zeilen à 60 Zeichen (ungefähr) auf einer Seite sind. Der Zeilenabstand sollte in jedem Fall mehr als 1 sein, eher 1,5. Die Seitenränder könnt ihr nun so zusammenschieben, dass ihr auf die gewünschten Zahlen kommt.


Tipp: Schaltet die Absatzkontrolle in Word aus. Die sorgt dafür, dass je nach Länge eines Absatzes eine Zeile künstlich auf die nächste Seite gezogen wird, damit dort dann nicht eine letzte Zeile eines Absatzes alleine steht – ein sogenanntes Hurenkind – oder die erste Zeile eines neuen Absatzes nicht alleine als letzte Zeile auf einer Seite steht – ein sogenannter Schusterjunge. Hurenkinder und Schusterjungen werden im späteren Layout des Buches vermieden, auf den Normseiten sind sie aber erlaubt, damit die Regel der 30 Zeilen pro Seite eingehalten wird.



Einzüge


Aus gedruckten Büchern kennt man, dass die erste Zeile eines neuen Absatzes eingezogen ist, also etwas weiter rechts beginnt als eine normale Zeile. Auf Normseiten wird das normalerweise nicht gemacht, ich persönlich finde es aber ganz schön, weil es die Lesbarkeit des Textes verbessert. Wenn ich ein Manuskript bearbeite, das keine Einzüge hat, mache ich sie immer rein, weil eine Korrektur der Absätze auch Teil meiner Aufgabe ist und ich die Absätze so besser sehen kann.



Kopf- und Fußzeile


Vergesst nicht die Seitenzahlen! Am besten fügt ihr sie unten an, das ist üblich und dort wird ein/e Lektor*in oder Agent*in als Erstes danach suchen. In die Kopfzeile könnt ihr euren Namen, den Arbeitstitel eures Buches und vielleicht eure E-Mail-Adresse einfügen. Die stellt ihr am besten rechtsbündig, damit das Auge beim Lesen die Kopfzeile nicht als erste Zeile des Textes identifiziert. Verzichtet auch hier auf Schnörkel und Grafiken. Schlichtheit ist der Schlüssel!



Vorlagen


Alle, denen das zu viel Gefummel ist, können sich im Internet aus vielen Quellen Vorlagen für Normseiten runterladen. Einfach mal googeln. Aber beachtet immer auch die Vorlieben der Verlage und Agenturen, bevor ihr ein Manuskript einreicht. Euer Ziel ist es ja, einen perfekten ersten Eindruck zu machen.



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