© 2019 by Katharina Glück. Erstellt mit WIX.COM

... und vor "und" kommt doch ein Komma


Vor langer, langer Zeit, als es noch kein Internet gab und die Zeitungen noch Geld für eine Schlusskorrektur in die Hand genommen haben, habe ich in der Schule den Satz gelernt: Vor „und” kommt kein Komma. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass ich nicht die Einzige bin, die sich an diesen Satz erinnern kann. Die Wahrheit ist allerdings, wie bei fast allen Regeln der deutschen Grammatik: Ganz so einfach ist es nicht.


Viele Jahre später verbringe ich sehr viel Zeit mit Lesen und Korrigieren. Und immer öfter fällt mir auf, dass auch dort, wo eigentlich ein Komma vor dem „und” stehen müsste, keins gesetzt wird. Und weil ich Kommas liebe und vielleicht ein wenig obsessiv bin, was die Zeichensetzung angeht, dachte ich mir, ich schreibe einen Blogartikel darüber. Das mag man verrückt finden, mir macht es Spaß.



Aufzählungen


Kurz zu den Grundlagen: „und” ist eine Konjunktion, also ein Bindewort, das gleichrangige Satzteile miteinander verbindet. Einfacher gesagt, ist es ein Indikator für eine Aufzählung. Dies kann sich auf alle möglichen Satzteile und Wortarten beziehen.


Substantive:

„Ich habe einen Hund, einen Papagei und eine Katze.”


Adjektive:

„Der Hund ist groß, braun und frech.”


Verben:

„Der Hund spielt, schläft und frisst.”


Erweiterte Infinitive:

„Der Hund liebt es zu spielen, zu schlafen und zu fressen.”


Nebensätze:

„Der Hund, den ich besitze und der mir die Haare vom Kopf frisst, spielt gerade im Garten.”


Hauptsätze:

„Der Hund spielt im Garten und die Katze schläft auf dem Sofa.”


Dies ist nur eine Auswahl an möglichen Aufzählungen. Wenn man das erst mal verinnerlicht hat, ist es ganz einfach herauszufinden, wann man doch ein Komma setzen sollte.



Hauptsätze und das optionale Komma


Die Ausnahmeregel, die wahrscheinlich alle kennen, ist die, dass zwischen zwei Hauptsätzen, die mit einem „und” verbunden sind, ein Komma gesetzt werden kann, wenn es der Leserlichkeit hilft. Hier ein Beispiel:


„Ich habe ein Auto und ein Haus steht auf dem Hügel.”


Wenn man den Satz liest, ist die erste Bedeutungsfolge, die man als Leser aufnimmt: „Ich habe …” Was habe ich? „… ein Auto und ein Haus …” Die folgenden Worte „… steht auf dem Hügel …” passen nicht mehr in die zuerst vermittelte Bedeutungsfolge. Als Leser muss man den Satz also mittendrin umsortieren, damit er Sinn ergibt. Das reißt uns aus dem Lesefluss raus und das wollen wir nie. Deswegen:


„Ich habe ein Auto, und ein Haus steht auf dem Hügel.”


Das Komma markiert, dass hier etwas Neues beginnt, dass wir die Bedeutungsfolge hier unterbrechen müssen und sich das „und” nicht auf „ein Auto” bezieht. Wie gesagt, dieses Komma ist optional, aber in vielen Situationen empfehlenswert.



Eingeschobenes und das Pflichtkomma


Bleiben wir bei dem Gedanken des Bezugs. Alles, was hinter dem „und” steht, bezieht sich auf das, was direkt vor dem „und” steht. Was aber, wenn etwas dazwischen geschoben wird?


„Ich habe eine Katze, die meistens schläft und einen Hund.”


Wenn wir den Satz lesen, erwarten wir nach dem „und” eine weitere Beschreibung der Katze, einen weiteren Relativsatz. Wir denken, „und” bezieht sich auf „schläft”, wie in:


„Ich habe eine Katze, die meistens schläft und frisst.”


Im ersten Satz bezieht sich das „und” aber auf „Katze”, was bedeutet, dass wir den eingeschobenen Relativsatz „die meistens schläft” auch an seinem Ende mit einem Komma vom Hauptsatz abgrenzen müssen:


„Ich habe eine Katze, die meistens schläft, und einen Hund.”


Dies ist das Komma, das ich in so vielen Publikationen vermisse. Denn es gilt für alle Arten von eingeschobenen Satzteilen, die die Aufzählung unterbrechen. Hier ein paar Beispiele:


Erweiterter Infinitiv:

„Wir versprachen, uns nie wiederzusehen, und gingen getrennter Wege.”


Nebensätze:

„Wir gehen spazieren, wenn das Wetter schön ist, und kaufen uns ein Eis.”

„Ich frage sie, ob sie etwas braucht, und gehe einkaufen.”

„Ich fahre um die Ecke, weil es dort Parkplätze gibt, und stelle den Wagen ab.”


Partizipkonstruktionen:

„Sie stand an der Tafel, den Stock in der Hand wiegend, und sah mich an.”


Einschübe:

„Er überquerte die Straße, den Hut keck auf dem Kopf, und grüßte mich.”


Am einfachsten findet man heraus, ob vor einem „und” ein Komma stehen muss oder nicht, indem man die beiden Satzteile identifiziert, die verbunden werden. Steht noch etwas dazwischen, das auch vorne mit einem Komma abgetrennt ist, muss es auch hinten mit einem Komma markiert werden.



Erläuterungen


Es gibt noch einen Ausnahmefall, und zwar den der Erläuterungen. Wann immer eine Erläuterung nachgestellt wird, wird auch diese mit einem Komma abgetrennt, auch wenn sie mit „und” beginnt.


„Wir treffen uns, und zwar am Donnerstag.”


„Er schlug ihn, und das ziemlich heftig.”



Fazit


Viele Menschen, die regelmäßig schreiben, sind verwirrt, wenn es um die Kommaregeln geht. Ich gebe zu, auch ich greife regelmäßig zum Duden und lese die Regeln nach, und nicht immer finde ich eine Lösung und setze dann ein Komma doch aus dem Bauch heraus – oder eben nicht. Wenn wir unseren Lesern das Leseerlebnis aber so angenehm wir möglich machen wollen, sollten wir ihnen schön strukturierte Sätze präsentieren, in denen sie nicht nach der Bedeutung suchen müssen. Und Kommas helfen da sehr. Ich rate also allen, sich noch mal den Duden zur Brust zu nehmen. Dort stehen die Kommaregeln in komprimierter Form im Abschnitt "Regeln und Hinweise A-Z".


Ihr versteht eine bestimmte Kommaregel nicht? Oder es gibt ein anderes Satzzeichen oder eine grammatikalische Regel, die euch Kopfzerbrechen bereitet? Schickt mir eine E-Mail, ich schreibe gerne einen Blogbeitrag darüber.


Ihr wollt keinen Beitrag mehr verpassen? Tragt euch für meinen Newsletter ein.



45 Ansichten