Wie schreibt man eine Autorenvita?

Sobald man eigene Texte veröffentlicht oder verschickt, steht man vor dem Problem, eine Autorenvita schreiben zu müssen. Und wenig fällt uns Autor*innen schwerer, als über uns selbst zu schreiben. Wie sieht eine solche Vita aus, was muss rein, was kann man weglassen?




Was ist eine Autorenvita?


Eine Vita ist ein kurzer Lebenslauf in Fließtextform, der in wenigen Sätzen die wichtigsten Eckpunkte des eigenen Lebens abhandelt. Sie ist üblicherweise in der dritten Person Singular geschrieben – ich schreibe also nicht: „Ich bin Schriftstellerin”, sondern: „Katharina Glück ist Schriftstellerin.” Sie sollte eher nüchtern formuliert und wirklich knapp und präzise sein.


Klingt einfach, kann aber beim Schreiben kompliziert werden, wenn schnell stellen sich diverse Fragen. Was sind die wichtigen Eckpunkte? Wie lang ist zu lang? Was kann ich weglassen? Und was schreibe ich hinein, wenn es nichts Spannendes über mich zu erzählen gibt? Die Antworten auf diese Fragen finden sich meistens im Zweck, den die jeweilige Vita erfüllen soll.



Wann brauche ich eine Autorenvita?


Als Autor*in braucht man eine Vita an jeder Ecke des Betriebs: auf der eigenen Website, wenn man eine Kurzgeschichte bei einem Wettbewerb einreicht, wenn man sich einer Agentur oder einem Verlag vorstellt und wenn man seine Bücher selbst veröffentlicht. Die Menschen möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Diese Frage sollte man ihnen beantworten, und zwar zugeschnitten auf die Situation.


Oben habe ich gesagt, dass die Vita in der dritten Person Singular und nüchtern geschrieben sein soll. Für die eigene Website kann diese Regel aufgeweicht werden. Hier geht auch die erste Person, und der eine oder andere Witz oder persönliche Touch tut hier sicher gut.


Bei der Bewerbung bei einem Verlag hingegen muss man davon ausgehen, dass die Person, die die Bewerbung liest, wenig Zeit hat und schnell auf den Punkt kommen möchte. Hier gilt es also, kurz die wichtigsten Eckpunkte zu formulieren.


Ihr seht, es hängt vom Zweck der Vita ab, wie sie aussehen sollte. Versetzt euch also in die Lage der Adressaten, wenn ihr eure Vita schreibt.




Was gehört in eine Vita?


Nach den klassischen Eckdaten (Name, Alter, Wohnort) kommen vor allem Erst- und Hobbyautor*innen schnell ins Schwimmen. Was hat die Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin mit dem Autorenleben zu tun? Wen interessiert, dass man in seiner Freizeit Meerschweinchen züchtet? Wer kein geisteswissenschaftliches Studium oder bereits eine Liste an Veröffentlichungen vorzuweisen hat, weiß schnell nicht weiter.


Auch hier hilft der Blick auf die Adressaten. Fragt euch: Was in meinem Leben hat irgendwie mit dem zu tun, was ich schreibe? Geht es in deinem Roman um Diskriminierung in männlich dominierten Berufen, dann ist es sicher interessant, dass du als Kfz-Mechanikerin arbeitest. Schreibst du eine Bilderbuchserie über Nagetiere, dann macht die Erwähnung der Meerschweinchenzucht durchaus Sinn. Und auch weitere Assoziationen sind angebracht: Reisen an die Orte des Romans, die Verarbeitung eigener Erfahrungen (auch wenn das Buch nicht autobiografisch ist), ein familiärer Hintergrund. Alles, was eine Brücke zwischen euch und eurem Buch schlägt, ist willkommen.


Für Verlage und Agenturen ist außerdem wichtig, was sie von euch als Autor*in erwarten können. Habt ihr zum Beispiel eine hohe Follower-Zahl auf Instagram oder einen erfolgreichen Meerschweinchenzüchter-Newsletter, dann stellt das ein potenzielles Publikum für euer Buch dar – also ein klarer Pluspunkt.



Beispiele


Martina Mustermann, Jahrgang 63, verbringt seit ihrer Kindheit jeden Sommer in der Bretagne und betreibt seit fünf Jahren den Blog „Bretagne für Insider”, der etwa 5.000 monatliche Besuche verzeichnet. Auch ihr erster Liebesroman „Das Herz ist ein knuspriges Croissant” spielt in der Bretagne. Die studierte Ethnologin lebt mit Frau und Kindern in Dingolfing.

Max Mustermann wurde 1982 in Rumänien als Kind von Siebenbürgersachsen geboren und kam im Alter von fünf Jahren mit seiner Familie nach Köln. Er arbeitet als Krankenpfleger und ist ehrenamtlich engagiert in seiner siebenbürgischen Gemeinde. Seine „säxischen” Erfahrungen verarbeitet er in humoristischen Kurzgeschichten, die regelmäßig in einer Gemeindezeitung erscheinen und die er nun zu einem Erzählband zusammengefasst hat.

Und (full discolsure)meine Vita:

Katharina Glück, geboren 1979 in Münster, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Köln. Danach arbeitete sie als Dramaturgin in der Filmproduktion. Inzwischen ist sie freie Lektorin und Texterin in München und veröffentlicht Kurzprosa in Literaturzeitschriften und Anthologien. Ihre Geschichten hat sie in dem Band „Der ewige Anfang“ zusammengeführt. Ihr erster Roman mit dem Titel „Entgleist“ erschien im August 2019 im acabus Verlag Hamburg.


Hilfe?


Wer trotzdem Hilfe braucht: Normalerweise bieten Lektor*innen das Schreiben von Viten und Exposés als Service mit an. Wenn ihr euch also das Haareraufen sparen wollt, meldet euch.


Wie immer gilt: Wenn es Themen gibt, die ich für euch aufdröseln soll, schreibt mir.


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