Kurzgeschichten veröffentlichen

Aktualisiert: Juli 28

Vor einigen Wochen haben wir bereits über das Schreiben von Kurzgeschichten gesprochen. Falls ihr den Beitrag verpasst habt, hier ist er. Heute will ich euch mehr darüber erzählen, wie und wo ihr eure Kurzgeschichten veröffentlichen könnt. Denn Kurzprosa ist mehr als eine Fingerübung.


Man hört sehr oft, dass es prinzipiell keine Chance gibt, Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Das stimmt bis zu einem gewissen Grad. Kurzgeschichtensammlungen werden in Buchläden nur sehr selten verkauft, und wer hofft, einen Reibach machen zu können, wird wohl enttäuscht werden. Aber für all jene, die noch am Anfang ihrer Schreibkarriere stehen und nicht auf das Geld angewiesen sind, gibt es viele Möglichkeiten, Kurzgeschichten an die Leser zu bringen.



Warum sollte ich meine Kurzgeschichten umsonst veröffentlichen?


Als Autor*in ist man heutzutage nicht nur Künstler*in, sondern auch eine Marke. Nein, bitte steigt jetzt nicht aus. Ich weiß, dass viele von uns den Marketing-Aspekt des Autor*innendaseins verabscheuen, aber die Wahrheit ist: Wenn wir unsere Geschichten da draußen sehen wollen, müssen wir uns selbst sichtbar machen. Ein solcher Weg sind unsere Kurzgeschichten.


Jede Veröffentlichung, auch die einer Kurzgeschichte in einer Zeitschrift oder Anthologie, sagt einem zukünftigen Verlag drei Dinge:


  1. Dieser Autor oder diese Autorin meint es ernst mit dem Schreiben.

  2. Die Qualität der Geschichten muss gut sein, wenn Zeitschriften und Anthologien sie aufnehmen.

  3. Er/sie zeigt Eigeninitiative beim Vermarkten.


Diese Aspekte sind wichtig für Verlage und Agenturen, weil der Literaturbetrieb immer komplexer wird. Vielen Verlagen geht es nicht mehr nur rein um ein Buch, sondern auch um die Person, die dahintersteht. Mit Veröffentlichungen von Kurzprosa könnt ihr euch also als ernsthafte Partner darstellen und so eure Chancen bei Verlagen und Agenturen verbessern.



Anthologien, Zeitschriften, Apps


Immer wieder gibt es Ausschreibungen von regelmäßig erscheinenden Anthologien oder Literaturzeitschriften. Diese folgen oft einem bestimmten Thema, über das Autor*innen eine Geschichte mit einem gewissen Umfang schreiben und einreichen können. Die genauen Vorgaben sind eine gute Übung für Autor*innen, genau wie die Deadline für die Einreichung. Manchmal passiert es allerdings auch, dass eine bereits existierende Geschichte zu einer Ausschreibung passt, dann spart man sich Arbeit.


Achtet darauf, nur mehrfach überarbeitete und korrigierte Geschichten einzureichen. Ein zweites Augenpaar hilft, die letzten Fehler zu finden, und Testleser*innen können euch sagen, wo es noch Verbesserungspotenzial gibt. Falls ihr keine Testleser*innen habt, hier erkläre ich euch, warum sie super sind und wo ihr sie findet.


Im 21. Jahrhundert gibt es natürlich auch digitale Wege, Kurzgeschichten zu veröffentlichen. Einige Webseiten und Apps nehmen gerne Vorschläge entgegen, zum Beispiel die Story App von den Initiator*innen des Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbs. Hier gibt es inzwischen Hunderte Kurzgeschichten zum Mitnehmen direkt aufs Handy.



Wettbewerbe


Womit wir auch schon bei der nächsten großen Chance für euch als Autor*innen von Kurzprosa wären: Wettbewerbe. Immer wieder schreiben Kulturinstitutionen, Städte oder Vereine Preise für Kurzgeschichten aus. Einige von ihnen sind mit einem Preisgeld dotiert, andere beinhalten Stipendien oder Sachpreise in ganz verschiedenen Größenordnungen. Oft landen die Gewinnertitel ebenfalls in einer Anthologie, manchmal finden sogar Lesungen statt. Wettbewerbe machen sich sehr gut in der Autorenvita und sind immer einen Blick wert.



Wo finde ich Ausschreibungen?


Im Netz gibt es mehrere Seiten, die Ausschreibungen der verschiedenen Initiator*innen auflisten und nach Einreichungsdatum sortieren. Eine solche Stelle ist zum Beispiel die Autorenwelt – wo ihr sowieso öfter mal vorbeischauen solltet. Dort gibt es eine wunderbare Datenbank mit den aktuellen Ausschreibungen, gut sortiert und schön übersichtlich. Für die Vergesslichen bietet die Autorenwelt auch einen Newsletter an. Wer sich dort anmeldet, bekommt die aktuellsten Ausschreibungen direkt ins eigene Postfach.


Im „Handbuch für Autorinnen und Autoren” sind außerdem viele Literaturzeitschriften mit Kontaktinformationen aufgelistet. Wichtig: Informiert euch, welche Zeitschriften zu euch und euren Geschichten passen und achtet auf aktuelle Themenwünsche. Ein Krimi-Magazin wird eure Romance-Geschichte ablehnen. Erspart euch und den Herausgeber*innen die Arbeit.



Eigene Anthologien und Content Marketing


Kurzgeschichten können allerdings auch für das eigene Content Marketing verwendet werden. Ihr könnt sie regelmäßig auf der eigenen Website oder eurem Blog veröffentlichen und so eure Leser*innen dazu anregen, regelmäßig bei euch vorbeizuschauen. Auch als Anreiz für einen Newsletter eignen sie sich: Jeden Monat bekommt man eine neue Geschichte, wenn man sich für euren Newsletter anmeldet. Ich persönlich habe ein paar meiner Kurzgeschichten in einer eigenen Anthologie zusammengefasst und auf Amazon veröffentlicht. Mir ging es hauptsächlich darum, ein weiteres Produkt zu haben, wenn mein Roman erscheint, damit Leser*innen, die den Roman mögen, gleich etwas haben, mit dem sie weitermachen können. Außerdem biete ich die Anthologie als Ebook zum kostenlosen Download an, wenn Leser sich für meinen Autoren-Newsletter anmelden.



Fazit


Es gibt viele Möglichkeiten, die eigenen Kurzgeschichten gewinnbringend zu nutzen, auch ohne direkt Geld mit ihnen zu verdienen. In jedem Fall schreibt ihr eure Kurzgeschichten nicht für die Schublade. Sie sind eine gute Übung für das Schreiben und dienen euch als wichtiges Werkzeug, mit dem ihr eure Bekanntheit steigern und eure Leser*innen glücklich machen könnt.


Keinen Beitrag mehr verpassen? Meldet euch an für die Post aus der Schreibwerkstatt.

837 Ansichten
© 2019 by Katharina Glück. Erstellt mit WIX.COM