Testleser - Des Autors bester Freund

Aktualisiert: 6. Feb 2019


Testleser sind ein zentrales Instrument für Autoren, wenn sie ihrem Buch den letzten Schliff geben wollen. Sie sind die ersten, hoffentlich neutralen Personen, die unsere Geschichten beurteilen, und ihr Feedback kann aus einem passablen Buch ein großartiges machen. Aber wo findet man Testleser und wie macht man das beste aus dem Feedback? Hier ein kleiner Überblick.



Wo finde ich Testleser?


Schreiben ist eine einsame Tätigkeit, und viele, gerade junge Autoren kennen sonst niemanden, der schreibt. Deswegen wissen viele Autoren nicht, wo sie überhaupt Testleser finden können, und greifen auf Familie und Freundeskreis zurück. Das ist keine schlechte Idee, aber hier gibt es ein paar Fallstricke zu berücksichtigen.


Familie und Freunde sind oft keine neutralen Leser. Sie haben den Autor vielleicht schon über lange Zeit beim Schreiben begleitet und haben erlebt, wie anstrengend es ist, ein Buch fertigzustellen. Deswegen sind sie oft eher darauf bedacht, den Autor zu unterstützen, ihm ein gutes Gefühl zu geben, anstatt auch mal den Finger auf ein offensichtliches Problem bei Plot oder Sprache zu legen. Auf der anderen Seite herrscht unter Freunden ein gutes Vertrauensverhältnis. So kann man als Autor besser mit der Kritik umgehen und im persönlichen Gespräch noch mal tiefer in gewisse Aspekte eintauchen.


Ich empfehle jedem Autor, sich in einer Schreibgruppe zu organisieren. Ob man einer bestehenden beitritt oder selbst eine gründet, der Austausch mit anderen Schreibenden ist fruchtbar und produktiv. Wer mehr über meine eigene Schreibgruppe und unsere Arbeit wissen möchte, kann hier weiterlesen. Wenn man eine Schreibgruppe hat, hat man auch gleich eine Auswahl an Testlesern. Natürlich muss man vorbereitet sein, den Gefallen beizeiten zu erwidern und das Buch eines anderen Mitglieds zu lesen. Das Schöne daran ist, dass in einer solchen Runde die Beurteilung oft sehr detailreich ist, da alle sich mit dem Schreiben beschäftigen und zwischen ihrem eigenen Geschmack und dem tatsächlichen Handwerk unterscheiden können. Hier kann man sich einen objektiveren Blick abholen.


Wer weder im Bekanntenkreis noch in einer Schreibgruppe Testleser findet, der kann auf diverse Angebote im Netz zurückgreifen. Es gibt Foren, Facebook-Gruppen und Communities, in denen Schreibende sich organisieren und sich als Testleser anbieten. Die Hürde hier ist natürlich, dass diese Menschen oft Fremde sind, denen man seine Werk anvertrauen muss und deren Urteil man sich stellen muss.


Welchen Weg Sie auch gehen wollen, nehmen Sie das Testlesen ernst. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Veröffentlichung.



Wie wähle ich die passenden Testleser aus?


Wählen Sie ihre Testleser so aus, dass sie die Zielgruppe Ihres Buches repräsentieren. Es macht wenig Sinn, einen Kriminalroman von Chick-Lit-Fans lesen zu lassen, denn dort werden Sie sowieso keine Leser zufriedenstellen wollen. Eine Ausnahme bilden hier die Testleser, die sich mit der Materie des Schreibens besser auskennen. Sie können Aufbau der Geschichte, Charakterentwicklung und dergleichen auch dann beurteilen, wenn das Genre ihnen nicht zusagt. In meiner Schreibgruppe zum Beispiel verfolgen wir alle sehr unterschiedliche Genres, können einander aber ohne Weiteres als Testleser wichtigen Input geben, weil wir uns mit dem Schreiben auch theoretisch auseinandergesetzt haben.


Unterschätzen Sie aber nicht die subjektiven Eindrücke von Testleser aus dem reinen Konsumenten-Feld. Sie repräsentieren Ihre Leserschaft am besten, und auch wenn sie manchmal vielleicht nicht zielgenau in Worte fassen können, was sie stört, haben sie oft ein gutes Gespür für Lücken und Fehler im Buch.


Bei der Zahl der Testleser gehen die Meinungen auseinander. Manche Autoren arbeiten mit bis zu 50 Testlesern, andere wiederum geben ihr Buch an nicht mehr als fünf Menschen heraus. Da muss jeder wahrscheinlich seine eigene magische Zahl finden. Am besten startet man wohl klein. Wem das nicht reicht, der kann immer noch aufstocken.



Was mache ich mit dem Feedback der Testleser?


Wie bereits erwähnt kann es durchaus vorkommen, dass das Feedback der Testleser diffus und schwammig ist. Da kommen dann Sätze vor wie „Das hat mich irgendwie nicht gepackt” oder „Die Figur hat mir so gar nicht gefallen”. Wenn man dann genauer nachfragt, bekommt man häufig nur ein Schulterzucken. Lassen Sie sich nicht entmutigen. Laden Sie das Gegenüber stattdessen ein, Ihnen das Gefühl genauer zu erklären. Oft lassen sich in einem Gespräch dann die Eckpunkte festnageln, an denen etwas in der Geschichte schief gelaufen ist.


Eine der schwersten Aufgaben für Autoren ist es, den persönlichen Geschmack der Testleser und tatsächliche strukturelle Schwächen im Text auseinander zu dividieren. Hier laufen Schreibende schnell Gefahr, Kritikpunkte, an die sie nicht Hand anlegen wollen, als Geschmacksfragen abzuwimmeln. Tun Sie das nicht, Sie bringen sich vielleicht um eine wertvolle Lernerfahrung. Hier kann es hilfreich sein, mehrere Feedbacks nebeneinander zu stellen. Wenn ein Kritikpunkt von mehreren Testlesern angebracht wurde, vielleicht in sehr unterschiedlicher Form, dann ist dort wahrscheinlich Verbesserungspotenzial.


Und dann geht es ans Überarbeiten. Seien Sie schonungslos mit Ihrem Text. Vielleicht müssen Sie Figuren streichen, vielleicht ganze Kapitel einkürzen, vielleicht einen völlig neuen Handlungsstrang erfinden. Ihr Text ist Ihre Spielwiese, toben Sie sich aus.



Lektoren als Testleser


Auch professionelle Lektoren bieten eine Art Testleser-Service an. Bei uns nennt sich das Gutachten. Für ein Gutachten lesen wir ein Buch, ohne es zu lektorieren. Das heißt, wir nehmen keine sprachlichen Änderungen vor, korrigieren keine Fehler oder dergleichen. Stattdessen fassen wir unsere Eindrücke in einem Gutachten zusammen. Wir geben Feedback sowohl zu Inhalt, Aufbau und Struktur, als auch zu sprachlichen Aspekten, die uns auffallen. Zum Beispiel: Kapitel 3 und 4 sind zu langatmig und können zusammengefasst werden, der Autor benutzt zu viele Adverben, die Sprache ist zu hochgestochen für einen Jugendroman etc. Anhand des Gutachtens kann ein Autor sich ein gutes Bild über die Dinge verschaffen, auf die er bei einer Überarbeitung achten muss.


Die Kosten für ein Gutachten liegen weit unter denen eines Lektorats, allerdings ist ein Lektorat nach der Überarbeitung natürlich trotzdem noch notwendig. Allerdings kann man als Autor so eine professionelle Einschätzung seines Buches bekommen, auch wenn keine passenden Testleser zur Verfügung stehen.


Sie interessieren sich für ein Gutachten zu Ihrem Buch? Kontaktieren Sie mich!

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